Diese, von mir nur geringfügig (Design) überarbeiteten, Dateien verdanke ich Herrn OA Dr. C. Jenssen aus dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin

Endoskopie bei antikoagulierten Patienten


1. Prozedurales Blutungsrisiko
Endoskopische Untersuchungen/ Eingriffe haben ein  unterschiedliches Risiko, eine signifikante Blutung zu provozieren.


Prozeduren mit geringem  Risiko:

Prozeduren mit hohem Risiko:

  • diagnostische  Gastroskopie mit/ ohne Biopsie, Wechsel einer PEG
  • diagnostische  flexible Koloskopie mit/ ohne Biopsie
  • diagnostische  ERCP und ERCP mit Stentimplantation ohne Papillotomie
  • Endosonographie
  • koloskopische  Polypektomie: 1 - 2,5 %
  • gastrale Polypektomie: 4  %
  • Laserablation  und -koagulation: < 6%
  • endoskopische  Papillotomie: 2 bis 5 %
  • PEG/ PEJ: 1 -  2,5 % (PEJ evtl. höheres Risiko)
  • Ballondilatation oder Bougierung von Stenosen
  • Endosonographie mit Feinnadelpunktion:
    1 - 4 % (meist klinisch ohne Relevanz)

Es existieren keine verlässlichen Literaturdaten zur Risikoerhöhung endoskopischer Prozeduren unter oraler Antikoagulation. Einen Anhaltspunkt vermittelt allerdings die Beobachtung, dass sich bei Patienten mit  einer Koagulopathie (TZW < 50% und/ oder Trcs < 50.000) das Blutungsrisiko bei endoskopischer Papillotomie annähernd verzehnfacht.
ASS und NSAR führen zu keiner signifikanten  Risikoerhöhung für bedeutsame Blutungsereignisse bei der endoskopischen Biopsie,  der endoskopischen Polypektomie und der endoskopischen biliären Sphinkterotomie;  kleinere, klinisch nicht bedeutsame Blutungen werden dagegen unter ASS und/ oder NSAR häufiger beobachtet.

2. Thromobembolisches Risiko

Das Risiko eines antikoagulierten Patienten, nach  Absetzen des Antikoagulans im Zusammenhang mit einer elektiven endoskopischen Prozedur ein thromboembolisches Ereignis zu erleiden, hängt überwiegend von der  Erkrankung ab, wegen derer der Patient antikoaguliert wurde.

Mechanische Klappenprothesen:

Vorhof-Flimmern:

Zustand nach tiefer  Beinvenenthrombose:

Unterschenkel - Bypässe und  Dialyse-Shunts

Risikostratifizierung thromboembolischer Ereignisse bei Unterbrechung einer oralen Antikoagulation

Niedriges Risiko
(Absolutes Risiko  eines thromboembolischen Ereignisses 1-2 pro 1000 Patienten bei Unterbrechung der oralen Antikoagulation für 4- 7 Tage)

Hohes Risiko

Zustand nach tiefer  proximaler Beinvenenthrombose

Zustand nach tiefer  Beinvenenthrombose bei persisitierender bedeutsamer thrombophiler  Situation (z.B. homozygote APC-Resistenz, Tumorleiden)

Chronisches oder intermittierendes Vorhofflimmern ohne Klappenerkrankung/ mechanischen  Klappenersatz

Vorhofflimmern bei Klappenerkrankung/ Klappenersatz

Biologischer Klappenersatz

Mechanischer Klappenersatz in Mitralposition oder Doppelklappenersatz

Mechanischer Klappenersatz in Aortenposition bei guter  LV-Funktion und Sinusrhythmus

Mechanischer Klappenersatz unabhängig von der Position bei Patienten mit einer  Thromboembolievorgeschichte,schlechter LV-Funktion (EF < 30%) oder Vorhofflimmern

 

Dilatative Kardiomyopathie

 

Femoropopliteale oder femorocrurale Bypässe

Suprapopliteale  Arterienbypässe ohne Vorgeschichte eines thromboembolischen Ereignisses

Alle Bypässe/  Shunts mit der Vorgeschichte eines thromboembolischen Ereignisses/  Verschlusses

3. Empfehlungen

Elektive endoskopische Prozeduren bei antikoagulierten Patienten

Prozedurales Risiko

Thromboembolierisiko

Hoch

Hoch

Niedrig

Unterbrechung der  oralen Antikoagulation+intermittierende  Heparintherapie

Unterbrechung der  oralen Antikoagulation undEndoskopie

Endoskopische Prozeduren unter therapeutischer Heparinisierung (z.B. bei  unterbrochener oraler Antikoagulation)

Akute gastrointestinale Blutungsereignisse oder akut erforderliche endoskopische Interventionen mit hohem prozeduralem Risiko:

Wiederaufnahme der oralen Antikoagulation  nach gastrointestinaler Blutung/ endoskopischer Prozedur

Die Entscheidung zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme  einer unterbrochenen oralen Antikoagulation hängt von der individuellen  Einschätzung des Untersuchungsergebnisses oder der durchgeführten endoskopischen  Prozedur bzw. der durchgeführten blutungsprophylaktischen Massnahmen unter gleichzeitiger Abwägung des thromboembolischen Risikos ab.

Beispielsweise ist in Rechnung zu stellen, dass sich das Risiko einer schweren Post-Papillotomieblutung bei Wiederaufnahme der oralen Antikoagulation  innerhalb der ersten drei Tage nach ERCP auf 10 bis 15 Prozent  erhöht.

Autor:    OA Dr. Christian Jenssen

Die Angaben und Empfehlungen fussen massgeblich auf einer  Leitlinie der American Society of Gastrointestinal Endoscopy: Eingeflossen sind  die Ergebnisse einer aktuellen Literatur - Recherche sowie klinische  Erfahrungen.

Christian Jenssen (EW) 27.07.2001  (24.07.2001)