Diese, von mir nur geringfügig (Design) überarbeiteten, Dateien verdanke
ich Herrn OA Dr. C. Jenssen aus dem
Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin
|
Ärztlicher Aufgabenbereich
|
Pflegerischer Aufgabenbereich
|
|
Indikationsstellung
|
|
Generelle Indikationen:
- Neurogene Schluckstörung (längerfristig potentiell reversibel, irreversibel)
- Tumoren von Hypopharynx, Ösophagus etc.
- Tumorerkrankungen zur adjuvanten Ernährungstherapie (z.B. bei Strahlentherapie)
- Gastrale Dekompression
Voraussetzungen:
- Wahrscheinliche Lebenserwartung > 2 Monate
- Längerfristige Ernährungsindikation > 1 Monat
Differentialindikation (PEG versus PEJ):
- Aspirationen ? Aspirationsrisiko ?
- Schwere Refluxösophagitis ?
- Magenausgangs-Stenose ?
- Magenoperation ?
- Notwendige orale/ enterale Medikation (Einfluss auf Sondendurchmesser)
Alternativen prüfen:
- Kurzfristige enterale (Zusatz-)Ernährung: dünnlumige Jejunalsonde
- Bei fehlender enteraler Ernährungsmöglichkeit: Port oder BROVIAC-Katheter
- Bei fehlendem endoskopischen Zugang: radiologisch/ sonographisch assistierte perkutane Gastrostomie, laparaskopisch
assistierte Gastrostomie
Kontraindikationen:
- Schwere Gerinnungsstörung (Quick < 50%, PTT > 50 sec, Trcs < 50 GPt/l)
- ausgeprägter Aszites
- Peritonitis
- Ileus (ausser bei Dekompressions- PEG)
- Florider eitriger Infekt der oberen Atemwege, Soor-Infektion
- Fehlendes Einverständnis (des Patienten bzw. des Betreuers)
- Lebenserwartung < 1-2 Monate
- Einzelfallentscheidung: Ulcera ventriculi, Magenkarzinom, fehlende Diaphanoskopie
|
Beurteilung und Nahrungsaufnahme:
- Ernährungs- und Trinkprotokoll
- Gewichtsverlauf
- Schluckstörungen ?
- Hinweise auf Aspirationen ?
- Ernährungsanamnese (Patienten; Pflegepersonal im Heim; Verwandte)
|
|
Anmeldung des Patienten
|
- Anmeldung am PC, bei besonderen logistischen Problemen (z.B. Dialysepatient, Vollheparinisierung, Betreuung, ...) konkrete
Absprache mit der Endoskopie
- Gerinnungswerte mitteilen !
- Ggf. Information zur Betreuungssituation
|
- Termin im PC checken, Terminkollisionen feststellen und mit Stationsarzt besprechen!
- Pflegerische Massnahmen zeitlich mit dem Termin koordinieren
|
|
Aufklärung und Einverständnis
|
- Mindestens am Vortag
- Ggf. Ersatz des Einverständnisses (Betreuung/ Eilbetreuung)
- Standardisierter Aufklärungsbogen (perimed)
- Auf patientenspezifische Risiken hinweisen!
- Auch eine PEJ oder JET-PEG ist kein absoluter Schutz vor Aspirationen !
|
- Evtl. Erläuterungen zur pflegerischen Handhabung
- Patientenfragen beantworten
|
|
Vorbereitung
|
- Nüchternphase mindestens 8 Stunden
- Ggf. Absetzen oder Dosismodifikation von Insulin/ Antidiabetika
- Gewährleistung ausreichender aktueller Gerinnungsparameter (Quick > 50%, PTT < 50 sec, Trcs > 50 GPt/l)
- Wenn möglich, ASS oder andere gerinnungshemmende Medikamente pausieren, low dose-Heparinisierungen können belassen werden, PTT -wirksame Heparinisierungen müssen mindestens 4 Stunden zuvor unterbrochen werden, eine Vollheparinisierung mit niedermolekularem Heparin muss am Untersuchungstag pausiert/ dosisreduziert werden
- Wenn möglich, säurehemmende Medikamente pausieren (3 Tage)
- Flexüle möglichst linker Arm !
- unmittelbar vor dem Eingriff einmalige intravenöse Antibiotikaprophylaxe (z.B. Cefuroxim- oder Augmentan-Kurzinfusion)
|
- Einstellen einer Sondenernährung mindestens 8 Stunden vor Eingriff !
- Ggf. bei Diabetikern gründliche BZ-Überwachung (reduzierte Insulindosis)
- Gründliche Mund- und Rachenpflege + Nabelpflege
- Rasur der Bauchbehaarung
- Patientenakte und Aufklärung/ Einverständnis mitgeben
Patientencheck:
- Patient nüchtern ?
- Mund -/Rachen-/Nabelpflege ? Rasur ?
- Heparinperfusor rechtzeitig aus ?
- Antibiotikaprophylaxe läuft/ gelaufen ?
- Aufklärung/ Einverständnis/ Akte anbei ?
|
|
Nachbetreuung
|
- Lesen des Befundes: Neue Diagnosen ? Komplikationen ? Ablaufbesonderheiten ? Prämedikation ? Besondere Hinweise zur Nachbetreuung ?
- Konkrete Festlegung des Überwachungsprotokolls (in der Regel 2 stündl. Kreislaufparameter bis 22:00 Uhr)
- Festlegung des Ernährungsbeginns und -protokolls
- Ggf. Festlegung der Insulintherapie und BZ-Überwachung
- AvD: Abdomen klinisch beurteilen
- Bei Hinweisen auf Komplikation: Rücksprache mit Endoskopie/ Endoskopie-Rufdienst, ggf. Röntgen-Abdomen, Sonographie, Durchleuchtung mit KM
|
- Information über erfolgte Prämedikation
- Information über spezielles Überwachungsprotokoll
- Bewusstseinslage und Atemsuffizienz des Patienten nach Eingriff einschätzen
- Durchführung der Überwachung
- AvD-Vorstellung bei Atmungsproblemen, Aspirationshinweisen, Bauchschmerzen, Kreislaufreaktion, Blutung
- 30-Grad-Oberkörperhochlagerung
- In der ersten Woche täglicher steriler Verbandwechsel mit lokaler Desinfektion und Reinigung, Prüfen einer locker verschieblichen
Sondenlage
- Duschen/ Waschen mit Seife nach einer Woche möglich
- später 2x wöchentlicher sauberer Deckverband
- Lockerung der äusseren Halteplatte um ca. 1 cm nach 5-7 Tagen (die PEG muss sich danach mit einem Spielraum von 1-2 cm locker im Gastrostomiekanal bewegen lassen): permanente Spannung kann schwere Komplikationen verursachen !
- Mund- und Rachenpflege ist weiter erforderlich
- eine PEG ist kein Zuwendungsersatz !
- Eventuell Einweisung von Patienten und Angehörigen in die Handhabung der PEG
|
|
Ernährung / Medikation
|
- Beginn der Ernährung bei unkompliziertem Verlauf 4 Stunden nach Anlage einer PEG oder PEJ, am ehesten mit 500 ml Tee
- Festlegung des Applikationsmodus (Schwerkraft, Pumpe, Bolus), des Typs der Sondennahrung und des Aufbauschemas (in der Regel tgl. um 500 ml bis zur gewünschten Kalorienzahl z.B. bei 2000 kcal)
- Ausreichend freie Flüssigjkeit (Tee 500 bis 1000 ml) zusätzlich zur Sondenkost geben
- bei PEJ/ JET-PEG grundsätzlich Pumpenapplikation, beginnend mit 20 bis 30 ml/Stunde, dann tägliche Steigerung
- Einschtzung und Festlegung einer eventuellen zusätzlichen prokinetischen Therapie (MCP) oder säurehemmenden Therapie
- Festlegung, ob bei JET-PEG gastrale Drainage erfolgen soll (Ablaufbeutel)
- Genaue Festlegungen zur Medikamentengabe über PEG/ PEJ/ JET-PEG treffen ! Generell dürfen über
Jejunalsonden (JET-PEG) keine zerkleinerten, sondern nur wirklich flüssige Medikamente gegeben werden, stets gründlich mit klarem Wasser nachspülen !
- Flüssigmedikamente favorisieren !
- Bitte neben der Medikamentenkonsistenz und Auflösbarkeit auch Auswirkungen einer Auflösung/
Zerkleinerung auf die Pharmakokinetik bedenken/ prüfen, ggf. Rücksprache mit Endoskopie oder Apotheke
- Cave: Retardpräparate, Medikamente mit magensaftresistentem Überzug
- Ggf. Interaktionen von Medikamenten mit Sondennahrung prüfen
|
- Umsetzen der ärztlichen Anordnungen zur speziellen Sondennahrung, zur Dosis, zum Applikationsmodus und Aufbauschema
- Bei jeder Applikationspause, nach Medikamentenapplikation und nach täglichem Ende Nachspülen mit mindestens 40 ml stillem Wasser
- Arztinformation über Applikationsprobleme, Hinweise auf Erbrechen/ Aspiration, Durchfälle, Bauchschmerzen oder sonstige Probleme und Symptome
- Oberkörperhochlagerung etwa 30 Grad zur Prophylaxe von Aspirationen !
- Bei Patienten mit Motilitätsstörungen/ Aspirationen in der Vorgeschichte in der Aufbauphase tägliche Prüfung, ob sich der Magen von
Sondennahrung adäquat entleert !
- Medikamente bei Applikation über PEG grundsätzlich auflösen, gründlich nachspülen(> 40 ml stilles, klares Wasser, Fencheltee) !
- Zwischen zwei Medikamenten 20 ml spülen
- Nicht völlig flüssige Medikamente dürfen nie über den jejunalen Schenkel einer JET-PEG ("feed")
gegeben werden, sondern nur über den gastralen PEG-Schenkel ("drain"), der danach mindestens 2 Stunden geschlossen werden muss.
- Bei JET-PEG: Nahrungszufuhr über den jejunalen Schenkel ("feed")
- Bitte die besondere Verstopfungsgefahr der JET-PEG beachten, besonders reichlich, häufig und gründlich mit stillem, klarem Wasser
nachspülen; schon leichte Durchgängigkeitsprobleme sofort melden !
- Zusätzliches essen und trinken ist möglich !
- Gewichtskontrollen
|
|
Umgang mit Problemen
|
|
Diarrhoe
- Hyperosmolare Lösung ?/ Arzneimittel ?
- Sorbitolhaltige Lösung ?/ Arzneimittel ?
- Zu kalte Nährlösung ?
- Verdorbene Nährlösung ?
- Zu schnelle Applikation ?
- Kontaminierte Systeme (Wechsel alle 24 Stunden !)
- Einsatz ballaststoffreicher Nährlösung (Nutrodrip faser)
- Bolusapplikation bei jejunaler Sondenlage vermeiden !
- Evtl. Perocur forte
- Evtl. Oligopeptidlösung (Precitene MCT) oder verdünnte Lösungen
- Cl. difficile-Colitis ?
- PEG-Fehllage (z.B. im Dünndarmlumen oder Kolonlumen)
Erbrechen
- Applikationsgeschwindigkeit reduzieren
- Pumpenapplikation
- Medikation prüfen
- Prokinetika
- Wechsel auf JET-PEG erwägen
Obstipation
- Mehr Flüssigkeit anbieten
- Ballaststoffreiche Sondennahrung
- Opioide absetzen
- Laxanzien (z.B. Movicol, Bifiteral)
- Evtl. höherosmolare Nährlösungen
|
Sonde verstopft
- Spülen, evtl. mit Vitamin-C-Lösung, Cola, Pankreasenzympräparation (nicht JET-PEG)
- JET-PEG (jejunaler Schenkel) evtl. mit einem Mandrin freimachen
Sondenleck
- Evtl. Sondenkürzung (nur PEG)
Wundinfektion lokal
- lockeren Halteplattensitz gewährleisten
- Vermeiden von Okklusionsverbänden
- gründliche Reinigung und Desinfektion, kurzzeitig auch Betaisodonna-Salbe
- tägliche Inspektion, ggf. Arzt demonstrieren: Abszess ?
|